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Am zweiten Sonntag im Mai ist der große Tag der Mütter.
Die Kinder, sofern sie noch zu Hause wohnen, werden evt. das
Frühstück machen. Sie werden evt. mit selbstkreierten Bildern oder
Basteleien ans Bett kommen und evt. sagen – wie alle Kinder im Land – „Du
bist die beste Mama der Welt“. Noch bevor die „Beste“, um halb 7 Uhr die Augen geöffnet hat, wird
sie der kindlichen Kunst mit einem „super“ oder „schön“ gebührende
Anerkennung schenken.
Jetzt gibt es drei Arten von Kindern:
Das
„Bleib-liegen-Mama“-Kind, das „Rutsch-mal-Mama“-Kind und das
„Über-13-Jahre“-Kind.
Ich beginne mit dem „Bleib-liegen-Mama“-Kind.
Es wird lauthals und euphorisch verlauten lassen, dass es heute
Frühstück machen wird. Die
darauffolgenden Aktivitäten in der Küche lassen sich akustisch leicht
einordnen:
1. Teller und Besteck finden ihren Platz auf dem Esstisch.
2. Das Kind kommt ins
Schlafzimmer und holt sich weitere Instruktionen bezügliche des
Kaffeekochens ab (wo ist der Kaffee?, wie viel Wasser?, wie viele Löffel?,
welchen Löffel?, was ist ein Teelöffel? ...) 3. Man sitzt dann mit dem
Kind am Tisch. Der Kaffee gleicht den ersten Versuchen eines jeden
Kaffeekochers. Ok, aber es fehlt garantiert etwas, was unbedingt die
Handgriffe der Mutter erfordert (Brot schneiden, den vergessenen Senf
auftischen, da das Kind ihn nicht mag...)
Fazit: Schriftliche
Ablaufplanung zum Thema „Frühstück – Jetzt mache ich es allein“
in der
Küche hinterlegen.
Das „Rutsch-mal-Mama“-Kind jedoch agiert anders.
Es wird nicht lauthals und euphorisch
verlauten lassen, dass es heute Frühstück machen wird. Die
darauffolgenden Aktivitäten sind eher als „individuell“ zu
bezeichnen:
1. Das Kind kuschelt sich liebevoll an die „beste Mama der Welt“
beginnt zu reden, wie ein Wasserfall. 2. Der Wunsch der
Mutter, noch ein wenig zu dösen, bleibt auch hier meist unerfüllt. (Im
besten Fall wacht die Mutter nach einer Stunde Schlaf auf und findet sich
mit Zöpfchen in ihren Haaren wieder.) 3. Das Kind ist irgendwann aus
Langeweile ins Kinderzimmer geflohen und spielt mit seinen
Legosteinen.
Fazit: Schriftliche
Ablaufplanung zum Thema „Frühstück – Jetzt mache ich es allein“
in der
Küche hinterlegen.
Das „Über-13-Jahre“-Kind agiert gar nicht. Dieses Kind ist
anders.
Es wird nichts lauthals und euphorisch verlauten lassen.
Die darauffolgenden Aktivitäten sind eher als „audio-technisch“ zu
bezeichnen:
1. Geweckt wird die Mutter durch Rock
oder Punkmusik. 2. Im Bestfall findet die Muttertags-Mutter noch eine
halbe Tasse wirklich wohlschmeckenden Kaffee, den ihr Teenager nicht mehr
wollte. 3. Zum Abendessen sieht man sich.
Fazit: Ohrenstöpsel an den Nachttisch legen und Zettel an
die Kaffeemaschine heften: „Für mich bitte auch eine Tasse Kaffee kochen.
Sei heute mal um 19 Uhr zu Hause. Mama“
©
Nicole Behler
05.05.2002
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